Klar Schiff auf Traditionssegler „Atalanta“

Mitglieder des Fördervereins bereiten sich intensiv auf den Saisonstart Anfang April vor. Der ehemalige Lotsenschoner wird jetzt 110 Jahre alt.

aus der Ostseezeitung vom Donnerstag, 10.02.2011, Seite 13 - geschrieben und Fotos von Hans-Joachim Zeigert


Wismar – Neugierig schauen die Jüngsten vom Poeler Seglernachwuchs ihren älteren Kameraden zu, als diese Tauenden mit Garn umwickeln, sodass diese nicht mehr auseinanderfasern können. ‚Taklings setzen’ sagt der Fachmann. Das wollen die Jüngsten vom Segelclub der Insel Poel (SCIP) natürlich auch erlernen. Mit Eifer dabei sind ebenso etwa Gleichaltrige vom Crew-Nachwuchs des Traditionsseglers „Atalanta“.


Schiff im Dock

 

„Die meisten beherrschen inzwischen schon verschiedene Fertigkeiten“, bestätigt Arno Ewald. Als einer der Kapitäne des betagten Seglers kümmert er sich nebenbei noch um die Jugendarbeit. Dazu dienen Räume des gleichnamigen Fördervereins mit Lager und Werkstattbereich in der ehemaligen Werfthalle IV am Wismarer Westhafen. Seit Jahren ist es zur Normalität geworden, dass auf die Vereinsmitglieder des historischen Schoners in der Winterpause ein reichliches Arbeitspensum wartet. „So eine betagte Lady will natürlich besonders gepflegt werden“, weiß kaum jemand besser als Dr. Georg Grahlmann.
Schließlich ist das ehemalige Lotsenfahrzeug, das einst große und kleine Schiffe in der Elbmündung bediente, in der kommenden Saison 110 Jahre im Einsatz. Segelenthusiast Grahlmann, gerade 75 geworden und längst zum „Oberbootsmann“ geadelt, hat seit der Neuindienststellung des Fahrzeuges im Jahre 2001 die Aufsicht über alles, was mit dem Thema Fahrt unter Segeln zu tun hat. Dazu gehört unter anderem die Pflege und Instandhaltung des sogenannten laufenden Gutes.
Damit stehen unter anderem auch Spleißen oder das Segelnähen seit Wochen, immer mittwochs und sonnabendvormittags, beim „Atalanta“-Workshop auf dem Arbeitsplan.
Zusätzlich füllt seit Januar an so manchem Sonnabend eine besondere Lebendigkeit die Werkstatt. Seitdem lernen die bereits erwähnten Kids dort beim Tauwerkbehandeln oder beim Schleifen und Lackieren von Blöcken erste Grundlagen des traditionellen Seemannshandwerks.

 

Markus Schulz (13, links) von der Insel Poel und Alexander Hardow (14, Mitte) aus Wismar lassen sich vom Betreuer Arno Ewald noch etwas Takelgarn geben. Damit umwickeln sie Tauenden. In der Fachsprache heißt dies: Taklings setzen.

Markus Schulz (13, links) von der Insel Poel und Alexander Hardow (14, Mitte) aus Wismar lassen sich vom Betreuer Arno Ewald noch etwas Takelgarn geben. Damit umwickeln sie Tauenden. In der Fachsprache heißt dies: Taklings setzen.


„Finden wir gut, was man hier lernt“, so die klare Ansage der beiden älteren „Scippis“ Markus Schulz (13) von der Insel Poel und Alexander Hardow (14) aus Wismar. Einige von ihnen werden gewiss miterleben, wenn beim Auftakeln Ende März die von ihnen behandelten Leinen und hölzernen Blöcke wieder an Bord ihren Platz finden. Eine Woche später startet bereits der erste Ausbildungstörn für die Besatzung.
Qualifizierung steht für elf gestandene „Atalanta“-Fahrer bereits jetzt an. So wurde für einen ersten Navigationskurs ein gesamtes Wochenende von Freitagabend bis Sonntagmittag genutzt. „Diesmal ging es nur um die Grundlagen der terrestrischen, also der klassischen Navigation“, so die Auskunft der beiden Segellehrer Heiner Sönnichsen und Trixi Hübner. Beide sind übrigens ebenfalls gestandene„ Atalanta“-Kapitäne. Waren dazu noch Seekarte, Kursdreieck und Kartenzirkel gefordert, behandelt ein weiterer Kursus die Nutzung der modernen elektronischen Navigationssysteme.
Die „Atalanta“ selbst ist seit Dezember nicht an ihrem Stammliegeplatz im Westhafen zu entdecken. Im überdachten Baudock der Werft konnten witterungsgeschützt umfangreiche Überholungsarbeiten am 36 m langen Fahrzeug erledigt werden. Ein entsprechender Vertrag zwischen Nordic Yards und dem Förderverein „Atalanta“ machte dies dankenswerterweise möglich.

 

NaviSeminar

Unentbehrlich beim Navi-Lehrgang sind Seekarten, Zirkel und Kursdreiecke.


Längst ist die Farbe des neuen Unterwasseranstrichs am hölzernen Rumpf trocken. „Zuvor haben wir einige Undichtigkeiten nachkalfatert und jetzt ist auch noch ein neues Echolot installiert und auf Dichtigkeit getestet“, weiß Eckhard Kletke, einer der drei Handwerker vor Ort, zu berichten.
Auch technisch ist das Schiff wieder für die kommende Saison gerüstet. Dazu gehörte insbesondere der Austausch der Wellenabdichtung, eine Aktion, für die der Förderverein wesentliche Unterstützung durch Blohm + Voss Industries Hamburg erhielt.
Inzwischen ist auch das Holz der Decksaufbauten frisch lackiert. Somit steht einer Zertifizierung durch die See-Berufsgenossenschaft für die weiteren Einsätze nichts mehr im Wege. Die letzte Amtshandlung gehört dann wieder den mehr als 50 Aktiven an Bord, wenn es am letzten Wochenende im März wieder einmal heißt: Alle Mann zum Auftakeln an Bord!

110 Jahre alt wird die „Atalanta“ in diesem Jahr. Die Feierlichkeiten finden im Dezember statt. Ein Empfang ist im Wismarer Rathaus geplant.
8 Jahre dauerte die Generalreparatur des einstigen Lotsenschoners.
2001 erfolgte der Wiedereinsatz als Freizeit- und Jugendschiff.
160 Mitglieder besitzt der Förderverein Atalanta inzwischen. Weitere Interessenten sind willkommen.
50 Aktive und mehr gehören davon zur Stammcrew.

 

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