Geschichte der "ATALANTA"
Die Peterschen Lotsenschoner
Die vollkommensten Schöpfungen Wewelsflether Schiffbauer waren ohne Zweifel die herrlichen Schoner für den Lotsendienst in der Nordsee. Sie galten als Wunderwerke schnittiger Formgebung. Da diese Fahrzeuge frei bleiben konnten von den Zwängen des Frachtschiffbaus, war das Unterwasserschiff äusserst scharf gehalten. Der Boden hatte eine ausserordentlich starke Aufkimmung, mit Spanten, die im Winkel von ca. 35° aus der Sponung des Kiels fast geradlinig in die Höhe gehen, um erst kurz unter der Wasserlinie in die Kimmkrümmung und in die Senkrechte des Oberwasserschiffes überzuleiten. Vor- und Achterschiff waren im Unterwasserbereich ebenfalls extrem scharf gehalten mit konkav verlaufenden Wasserlinien. Der Vorsteven verlief wie bei den Loggern und Kuttern senkrecht, während der Achtersteven um ca. 12° nach hinten geneigt war. Das Heck war leicht überhängend und rund, der Ruderschaft fuhr durch einen Koker; gesteuert wurde mit einer Pinne.
Das in kräftigem Sprung gehaltene Deck war in voller Länge druch eine
feste Reling geschützt. Auf dieser lief eine ebenfalls feste, jedoch
schwächere Oberreling, die lediglich mittschiffs auf ungefähr fünf
Meter unterbrochen war. Hier standen beidseitig unter Schwingdavids die
Versetzboote. Das gesamte glatte Deck war frei von störenden Aufbauten,
abgesehen von den vier kleinen Niedergängen und Oberlichtern. Nur im
Heck war ein kleines halbrundes Toilettenhäuschen errichtet. Das
dadurch mögliche System der durchgehenden Decksbalken, die an keiner
Stelle durch Ladeluken unterbrochen wurden, trug ganz wesentlich zur
Festigkeit und somit Seetüchtigkeit dieser Schiffe bei. Diese
Lotsenschoner waren ohnehin aus bestem und erlesenstem Material gebaut.
Sie waren vollständig aus Eichenholz erster Qualität konstruiert, mit
Kupferbolzen zusammengefügt und unter Wasser mit Kupfer beschlagen.
Getakelt waren die Schiffe als Gaffelschoner. Die Masten hatten starken
(bis 10°) achterlichen Fall. Der Großmast besaß eine lose Stenge,
während der Fockmast als kürzerer Pfahlmast ausgebildet war. Das
Vorgeschirr bestand aus festem Bugspriet und losem Klüverbaum. Die
Besegelung setzte sich zusammen aus den beiden Gaffelsegeln, die an
Bäumen gefahren wurden, dem Großgaffeltoppsegel, ferner aus der
Stagfock und zwei Klüver. War der Schoner auf seiner Versetzposition,
wurde die Besegelung des Großmastes durch einen kurzen dreieckigen
Treiber ersetzt, welcher ohne Baum gefahren wurde. Statt des großen
Außenklüvers wurde dann meist ein kleinerer aufgeholt, oder man
verzichtete auf diesen ganz.
Die See- und Segeleigenschaften dieser Schoner wurden als ganz hervorragend gerühmt. Und die gekonnten Manöver der Schonerkapitäne fanden stets höchste Anerkennung.
Elbe- Lotsenschoner Nr. 1 "Cuxhaven"
Der Lotsenschoner "Cuxhaven" wurde 1901 von Jürgen Peters an den Hamburger Staat abgeliefert. Es war ein Ersatzbau für den aus dem Jahre 1855 stammenden Schoner gleichen Namens und gleicher Nummer, der zuletzt nur noch als Oste-Riff-Feuerschiff Dienst getan hatte und nunmehr ausgemustert wurde. Das Schiff war zu 140 BRT vermessen.
Der Schoner überstand dank seiner soliden Ausführung mehrere Unfälle, ohne sonderlichen Schaden zu nehmen. So z. B. eine Strandung auf Helgoland-Düne im September 1922, oder gar eine Kollision mit dem deutschen Tanker "Wilhelm A. Riedemann" im November 1927.
Nach 28-jähriger Fahrzeit als Lotsenschoner wurde die "Cuxhaven" wie alle Lotsenschoner 1929 ausgemustert und durch maschinengetriebene Fahrzeuge ersetzt. Weiter ging es dann wie folgt:
| 1901 | Bau auf der Peterswerft in Wewelsfleth und Einsatz als Lotsenschoner "Cuxhaven" in der Elbmündung. |
| 1930 | Nach Außerdienststellung Umbau mit Yachttakelage, Motor und neuer Inneneinrichtung. Das Schiff erhält den Namen "ATALANTA". |
| 1950 | Die Bank M. M. Warburg, Brinkmann Wirtz & Co. erwirbt die "ATALANTA" und betreibt sie über 40 Jahre. |
| 1994 | Gründung des Fördervereins Schoner "ATALANTA" e.V. Wismar. |
| 1995 | Das Schiff wird Eigentum des Fördervereins durch eine Schenkung der Warburg-Bank. |
| 2001 | Fertigstellung nach achtjähriger Restaurierung und Einsatz als Jugendschiff - Feier zum 100. Geburtstag unter dem großen Zuspruch und Interesse der Öffentlichkeit. |

